Geflüchtet – unser Beitrag für eine Debatte

Wir sind erschrocken und wütend über die Übergriffe auf Flüchtlinge in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Das Versagen der EU, auch nur einen Minimalkonsens bezüglich ihrer Versorgung zu erreichen, beschämt uns. Wir sind es leid, wie in Medien, aber auch persönlichen Gesprächen die Schutzbedürftigkeit aus ihrer Heimat fliehender und  geflohener Menschen in Frage gestellt und zugleich Rassismus verharmlost wird.

In einer solchen Zeit, in der eine gesellschaftliche Debatte kaum stattfindet, weil Argumente nicht gehört werden, haben wir uns als Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen entschlossen, uns zu Wort zu melden. Wir wollen dabei keinen Beitrag zur Debatte leisten, sondern einen Beitrag für eine Diskussion, die lange überfällig ist.

Unser Blog soll Biografien von Flüchtlingen in Gegenwart und Vergangenheit dokumentieren, historische Vorgänge thematisieren, die Zwangsmigration und Flucht hervorgerufen haben und Umgangsweisen von Aufnahmegesellschaften beschreiben. Wir wollen nicht die sich wiederholenden gegenwartspolitischen Argumente aufwärmen, wir wollen aus fachlicher Perspektive erklären, wie Flucht entsteht und entstand, wie Menschen flüchteten und fliehen, wie Aufnahmeländer mit ihnen umgingen und umgehen.

Gleichzeitig ist eine globale Geschichte von Flucht immer auch eine Verflechtungsgeschichte. Über die Jahrhunderte haben Kriege, Kolonisation und Ausbeutung zu nationalen, ethnischen und religiösen Verwerfungen geführt, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart spürbar sind. Auch diesen Aspekt möchten wir beleuchten.

Das alles können die Initiatoren dieses Blogs nicht allein leisten, deshalb bitten wir Interessierte um ihre Mitarbeit. Schreiben Sie Blogbeiträge, helfen Sie unserem Lektoratsteam oder erzählen Sie anderen von uns.
Wir wünschen uns eine Gesellschaft, die Menschen unabhängig von ihrer Herkunft willkommen heißt und sie als Bereicherung sieht. Denn: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Birte Förster
Moritz Hoffmann

 

9 Kommentare

  1. Ich habe im Tagesspiegel von Eurer Seite gelesen und freue mich sehr über die Initiative.
    Sie scheint mir gerade auch für junge Leute wichtig, die 1. in der Schule davon nichts hören und 2. dem allgemeinen
    Gerede über die Flüchtlinge ausgesetzt sind.
    Mit freundlichen Grüßen
    Renate Rennebach

  2. Sabine Fischer-Abram 17. August 2015 um 12:25 Antworten

    Soeben habe ich einen Beitrag zu Ihrem Internetauftritt im Berliner Tagesspiegel gelesen , werde die Seite speichern und danke Ihnen für die in dieser Zeit äußerst löbliche Initiative.

  3. Wünsche Ihnen, dass Sie viele Biographien aus Gegenwart und Vergangenheit zusammen bekommen.

    Vielleicht gelingt es Ihnen „Flucht“ den Makel der „Unanständigkeit“ zu nehmen, zumal wir Deutschen doch auch eine bewegte Geschichte der Auswanderung haben.

    Erfolgsgeschichten durch Emigranten zeigen, dass auch aufnehmende Länder gewonnen haben.

    Gestern wurde im Presseclub berichtet, dass bei Google bemerkenswert viele Emigranten Führungsaufgaben innehaben. Beispiel: Sergey Brin (CTO bei Google Inc.) aus Rußland, Ausreiseantrag wurde nach Schikanen stattgegeben, kam mit seinen Eltern als fünfjähriger in die USA.

  4. Danke für diese Seite. Danke für das Verständnis für Menschen in Not.
    Hier, in meiner Stadt, einst Königin der Hanse, gibt es auch so etwas wie eine Willkommenskultur, in welcher ich mich engagieren darf. Die Plattform „Lumine“ (LUebecker MIgraten NEtzwerk) ist eine Initiative von Bürgern die Menschen, die zu uns kommen, begleiten will.
    Helfer sind herzlich Willkommen.

    Darüber hinaus beschäftige ich mich seit längerer Zeit mit unserer Vergangenheit. Ich selbst baue eine Lyrikseite auf mit den Texten verb(r)annter Dichterinnen und Dichter, deren verschwundene Texte wieder zugänglich sein sollen.

    Wer aber wissen möchte, wie es ist nicht fliehen zu können, hier ist ein Link zu einer Seite der University of Illinoise mit dem Titel: „Voices of the Holocaust“ (Link: http://voices.iit.edu/ ) hier hat Prof. Dr. Boder 1946 Interviews geführt mit Überlebenden des Holocaust. Über 90 Std. Interviews aus erster Hand sind beredtes Beispiel dafür was passiert wenn man keine Möglichkeit zur Flucht hat.

    Nochmals Danke für Ihre Arbeit

  5. Hallo,
    finde diese Seite und überhaupt die Idee sehr gut und sehr wichtig!
    Ich höre den RBB in Jerusalem…
    Wünsche viel Erfolg!

  6. Ich habe erst heute das Interview von Ihnen mit der Zeit gelesen und musste dann natürlich auch auf Ihre Website!
    Wie Sie schreiben, kann auch ich es nicht verstehen, wie man mit den Flüchtlingen umspringt. Viele Posts auf Facebook gerade zu diesem Thema (z.B. die Flüchtlinge würden den Arbeitslosen hier in Deutschland das Geld wegnehmen) machen mich nur wütend. Ich bin der Meinung, dass es so viel Intoleranz seitens der Deutschen gegenüber den Flüchtlingen gibt! Diese Website ist also eine wirklich geniale Idee, um ein paar Menschen einen Denkanstoß zu geben, vielen Dank hierfür!
    Zumindest in meiner Heimatstadt gibt es den Versuch, den Flüchtlingen einen angenehmeren Start zu bereiten. In unserem Sozialladen dürfen sich diese erstmal komplett einkleiden (viele vergessen neben den wichtigen Lebensmittel, dass diese auch neue Kleidung etc. benötigen), was ich eine sehr gute Einrichtung finde.

    Ich hoffe, es geht bergauf mit der Einstellung gegenüber Flüchtlingen. Vielen Dank für Ihre Hilfe!

    Viele Grüße
    Miriam

  7. Hallo diese Website von ihnen ist lange überfällig, zur Zeit ist die Flüchtlingskatastrophe in Europa das bestimmende Tehma auf ihrer Seite. Aber ich bin mir sicher das es auch noch andere Formen der Flucht in unserer Gesellschaft gibt die hier leider zur Zeit zu kurz kommen. Zum Beispiel Flucht vor Gewalt in unserer Gesellschaft, ob familiär, religiös oder politisch. Sicher werden viele aus Angst nicht darüber reden, aber wenn es für diese Menschen eine Plattform gäbe wo sie selbst ihre Fluchtgeschichte erzählen könnten, würde es vielen sicher helfen.
    Vielleicht in form eines Blogs. Danke für ihren Einsatz, für Menschen in Not !!!

  8. Ich bin gespannt mehr zu lesen und halte ihr Vorhaben für äußerst wichtig. Häufig hat sich ein bestimmtes Bild von „dem Flüchtling“ eingeprägt und selten wird es hinterfragt. Diskussionen über die Hintergründe und globalen politischen Zusammenhänge, die zur Flucht führen können, sind dringend notwendig und vor allem ist es meiner Meinung nach wichtig, dass die Debatte nicht bloß über, sondern gemeinsam mit Geflüchteten geführt wird. Ein Diskurs der von Journalisten, Politikern, Helfern und Rechtsradikalen dominiert wird, lässt diejenigen aus, um die es letztendlich geht.

    Viel Erfolg!

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